Projekt fifty / fifty

Wie funktioniert das, zusammen zu malen?

Mixen Annette Reichardt und Stewens Ragone Motive, Techniken und Farben wie einen Drink, bei dem man eine Hälfte von diesem und die andere Hälfte von jenem in einen Shaker gibt, gut schüttelt und in ein Cocktailglas abseiht? Sie malt den Kopf, das T-Shirt gestaltet er, das Auto ebenfalls, weil er eben besser Autos malen kann? Oder kommen Idee und Skizze von ihr und er darf ausmalen?

Zusammen zu malen stelle ich mir jedenfalls als große Chance und gleichzeitig als Wagnis vor. Auf jeden Fall spannend. Da müssen zwei ähnlich ticken, sich verstehen und doch müssen sie beide ihren eigenen Kopf haben, unterschiedlich sein. So entsteht eben keine Symbiose, sondern Inspiration. Von der Idee über die Skizze, über die Komposition, bis zur Ausführung – es gibt keine festen Rollen, die Arbeitsteilung besteht vielmehr darin, dass jeder sich an unterschiedlichen Stationen des Malprozesses einbringt. Und das funktioniert in jedem Bild anders. Dadurch kommen Ideen, Vorstellungen zusammen und bringen etwas Anderes als das Eigene, etwas Neues hervor. Eins und Eins muss mehr sein als zwei, es muss ein Ganzes ergeben. Und das tun die Arbeiten von Reichardt und Ragone. Die Künstler sorgen so dafür, dass der Betrachter immer etwas geboten bekommt.

Dass die beiden beim Malen auch noch ihren Spaß haben, kann man sich gut vorstellen. »Fifty Fifty« heißt ein Song des von Stewens Ragone in seinen Bildern immer wieder gern zitierten Musikers Frank Zappa. Der hatte sicherlich ebenfalls Spaß an seiner eigenen Musik. Im bildlichen Sinne rockt auch die Malerei von Stewens Ragone und Annette Reichardt. Ihre Kompositionen stecken voller unterschiedlicher Instrumente, gespielt in einem Malstück reichhaltig an Farben und Formen. So wie in Zappas jazz-rockigen Songs Tina Turner zuweilen als Hintergrundsängerin auftritt, Violinsoli mit kreischender E-Gitarre kombiniert sind, präsentieren auch Annette und Stewens mit ihren aus den Kontexten isolierten, ganz gewöhnlichen Figuren vor schrägen Hintergründen ihre Neigung zum Experimentieren. Bisweilen ist gar nicht klar, was hier im Vordergrund steht – Figur oder Hintergrund? Sie stellen Querverweise her, ohne den roten Faden zu verlieren. Im Gegenteil. Dadurch werden die Inhalte zuweilen bissig ironisch gesteigert.  


Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung »Die Welt ist schön« von Dorothea Fogt